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Wettbewerb – Neugestaltung des Tunnels JohannisstraSSe im Rahmen der "Via Culturalis"

  • Standort: Köln Hauptbahnhof
Projektpartner

Lichtplanung: studio dinnebier, Berlin
Künstlerische Gestaltung: Wolfgang Rüppel, Berlin

Projektbeschreibung

Städtebauliche Einbindung und Randbedingungen
Der Johannistunnel verbindet die Domseite und die "Via Culturalis" mit der lange Jahre eher "stiefmütterlich" behandelten Rückseite des Hauptbahnhofs, dem neu gestalteten Breslauer-Platz und dem neu zu entwickelnden Areal des "Musical Dome". Neben dem eigentlichen Tunnel beanspruchen daher die Mündungsbereiche besondere Aufmerksamkeit. Während der Bereich auf der Domseite neu geordnet ist, mit dem Ausblick in das Schaufenster der Dombauhütte und dem neu verlegten Boden aus Granitplatten, harrt der Breslauer-Platz der Neuordnung.

Der Entwurf sieht eine klare Zonierung dieser drei Bereiche vor und unterstreicht sie mit entsprechenden Materialien um der zukünftigen Bedeutung dieses Bereichs als "Foyer" und "Gute Stube" und der Besonderheit des Tunnels als Beginn der Via Culturalis gerecht zu werden.  

Der Tunnel
Der Tunnel erhält nicht nur neue Oberflächen sondern auch eine neue Raumbildung. Er wird in einen nördlichen Bereich für den "rollenden" und einen südlichen für den "gehenden" Verkehr geteilt. Diese Raumbildung erfolgt durch die Oberflächen, durch unterschiedliche Raumhöhen (Erhöhung / Abhängung) und durch die Lichtplanung betont.
Der gesamte Tunnel ist barrierefrei. In den Bodenbelag sind taktile Leitelemente integrierbar.
Für die Anlieferung sehen wir eine Durchfahrtsmöglichkeit vom Breslauer-Platz zur Trankgasse entsprechend der alten Trasse vor. In einem festen Zeitfenster und durch Versenkbare Poller gesperrt. 

Bodenbeläge
Der Fußweg ist durch einen Bordstein vom Fahrweg getrennt, dennoch im Sinne eines share space gedacht. Der Belag besteht aus farbigem Betonsteinpflaster, das ein abstrahiertes Ornament nachempfindet - eine ferne Erinnerung an die "Gute Stube", eine neue Freude auf die Entdeckung der Via Culturalis und eine ironische Brechung zum Begriffspaar Heimat und Reise. Der Fahrweg, primär für Radfahrer, erhält dieselben Granitplatten wie der Mündungsbereich Trankgasse. Somit kann der Bestand dort erhalten bleiben und eine einheitliche Oberfläche ist gewährleistet.

Deckenbekleidungen
Die räumliche Differenzierung des Tunnels wird auch in der Deckenbekleidung abgebildet: Der Fußgängerbereich erhält eine Decke aus polierten Edelstahlpaneelen, so dass hier der farbige Boden in der Spiegelung verdoppelt und der Raum eine wundersame Vergrößerung erfährt und "scheinbar" nach oben geöffnet wird.
Die Decke über dem Fahr(rad) weg wird mit einer Konstruktion aus Streckmetall vorgeschlagen, so dass die Schlupflöcher der Tauben verschlossen sind. Die kassettierte Decke ist revisionierbar und transparent, so dass die Konstruktion der Stahlträger als ein Blick in die Industriegeschichte sichtbar bleibt und neu inszeniert wird. Die Deckenbekleidungen werden mit Klemmbefestigungen an der Tragkonstruktion fixiert somit wird die vorhandene Trägerkonstruktion nicht angetastet.

Wandbekleidungen
Die südliche Tunnelwand mit ihrer Aufteilung und der Materialität in weißen Fliesen und bossiertem Naturstein erscheint uns wert erhalten zu werden. Sie sollte restauriert werden. Das unterbrochene Mäanderornament im oberen Abschluss könnte als Neonlinie fortgeführt werden. Die Werbeflächen an der Südwand sollten im Zuge der Aufwertung entfernt werden. Als Alternative könnten digitale oder hinterleuchtete Werbemedien, in "verträglichen" Formaten nach dem Prinzip "Bildergalerie" an der geschlossenen Wand angebracht werden. Die nördliche Tunnelwand wird mit einer selbständigen Konstruktion aus Streckmetall auf einer Unterkonstruktion vor den vorhandenen Säulensockeln entlang verschlossen. Die notwendigen Türen und Fluchtwege werden in die Konstruktion integriert, ebenso wie die rückseitigen Wandbefestigungen.
Durch die Schließung der Nischen sehen wir die einzige Möglichkeit, dass hier das  Urinieren zumindest nicht mehr in der Nische versteckt möglich ist. Gleichzeitig wir hier mit einem adäquaten Industriellen Material eine einheitliche Oberfläche hergestellt, der Industriellen Charakter und die Stützen werden durch das Lichtkonzept hervorgehoben zu verdecken. 

Der Mündungsbereich Breslauer Platz
Die Funktionen am Breslauer-Platz sind vielfältiger als an der Trankgasse. Abhängig von der Planung Breslauer Platz  schlagen wir die Erweiterung der Radstation unterhalb der Gleise parallel zu der vorhandenen vor. Ein öffentliches Urinoir, um eine der bestehenden Betonstützen platziert und somit Bestandteil der Konstruktion, ist ein maßgeblicher Stadtbaustein für das Gelingen der qualitätvollen Nutzung der Durchwegung des Tunnels. 

Bodenbeläge
Die Bodenbeläge des Tunnels ( Granit und Mosaik ) werden bis zur Gleiskante fortgeführt.

Wandbekleidungen
Die Streckmetallwand sollte bis zur Kante des Selbstbedienungsrestaurants fortgeführt werden die Stirnseite der Fahrradstation sollte auch mit dem Streckmetall einheitlich verkleidet werden.

Deckenbekleidungen
Die polierte Edelstahldecke des Fußwegs wird entlang des alten Brückenanschlusses über den gesamten Mündungsbereich gezogen, so dass hier durch Decke und Fußboden eine definierte Eingangssituation zur Via Culturalis entsteht.

Der Mündungsbereich Trankgasse / Chargesheimer Platz
Der Eingangsbereich zur Trankgasse ist im Wesentlichen geordnet. Die Bodenbeläge werden erhalten. Um die Dynamik und die Funktionen des Tunnels zu verdeutlichen wird hier die die Deckenbekleidung, gegenläufig zum Eingang Breslauer Platz, aus Streckmetall über die gesamte Fläche vorgesehen. Dadurch finden die Tauben keinen Platz  mehr und der industrielle Charakter bleibt auch hier erhalten.